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Sonntag, 25. Mai 2008

Nach dem ersten und vor dem zweiten Ranch Stay mit Guide Nicola

Es regnet draußen, ich sitz in der Guide Cabin und hab eigentlich frei… wie immer ist das net so ganz der Fall also arbeit ich mich durch den riesigen Guide-Test durch…. 25 Seiten nur mit Fragen, die ausführlichst zu beantworten sind… mehrere fette Ordner als Unterlage, mei, bei der Diplomprüfung hab i weniger gelernt ;-) Alle anderen sind unterwegs, Nariassa konnte mitgehen Snowmobiling und einige sind Reiten, ein paar haben frei und sind in Vancouver… na ja, aber mal langsam und zurück zur letzten Woche, mein erster Trip… yeah!

Vier Tage lang waren meine beiden Damen da, ich hab mein Bestes gegeben und zumindest bei den Gästen ist das auch gut angekommen (hat sich dann im guten Trinkgeld gezeigt). Es war schon toll, glücklicherweise konnte ich auch viel mit der Liz kombinieren, somit war ich nicht nur allein unterwegs und konnte auch einiges fürs Guiden lernen, denn die Liz im Unterschied zu so manch anderen hier ist sehr kommunikativ, weiß viel und erklärt gut. Und trotzdem, so schön das mit den Gästen und Pferden auch ist, es ist ganz schön anstrengend. Wie zu erwarten bin ich mir von Seite des Managements komplett allein gelassen vorgekommen, der Druck war groß, alles richtig zu machen und man darf das hier ja auch nicht unterschätzen… Arbeit mit Pferden und dann wirklich in der Wildnis… bin froh, dass uns kein Bär über den Weg spaziert ist. Am Donnerstag haben wir dann noch Bareback Riding gemacht, das hat denen wohl auch sehr Spaß gemacht.

Gott sei Dank haben sie am Donnerstag zumindest für eine Stunde die Straße geöffnet, damit meine Gäste auch heimfahren konnten… Seit gestern ist sie wieder ganz offen, nach fast einer ganzen Woche Sperre.

Alle haben voll reingearbeitet, reinstes Chaos in der Küche, nur Neue Leute, die sich zwar bemühen, aber eben auch net immer drei verschiedene Menüs für mehr als 30 Leute plus Kekse und Kuchen backen perfekt hinbekommen, und schon gar nicht, wenn die Lebensmittel wieder mal ausgehen. Kein Spaß… aber die Stimmung unter den Woofern ist gestiegen, wir halten dick zusammen, helfen alle aus und können einander das Herz ausschütten. Das macht es dann zumindest ein wenig einfacher. Am Donnerstag hab ich dann noch mein „Paperwork“ von meinen Trip fertig gemacht… gezeigt hat mir das nie wer, habs so gut gemacht, wie ich konnte… so wie die Vera gemeint hat alles einsortiert und ja, dann kam der Kevan, der echt superschlecht gelaunt ist in letzter Zeit… hat alles angeschaut, und dann ging’s los… hab nur einen Vorschlag gemacht, net bös gemeint oder irgendwas und oi oi oi, der is mich ganz schön angegangen, von wegen, solang er der Boss ist wird das so gemacht wie er sagt und was i mir einbild und wenn mir das net passt, kann ich ja gehen… sehr toll, danke, hab echt schon gedacht, ui, jetzt kann ich meine Sachen packen… war wieder mal fertig, und er zufrieden, als ich einfach nur noch den Mund gehalten hab und das über mich ergehen ließ. Egal, ist auch vorbei gegangen aber gerade eine Woche nachdem ich schon fast alles gepackt hätte… nein Mann, das ist mir zuviel. Ich kann mit dem einfach net normal reden, alles was der tut hilft mir nicht im Geringsten, mich zu verbessern. Find es nicht fair, war immer ausgemacht, dass ich Assistant Guide bin, und dann steh ich da mit Gästen allein da… klar, dass ich net alles perfekt weiß und mach, aber meine Gäste waren glücklich, wollen sogar wieder kommen, also wäre da auch angesichts der Tatsache, dass ich net amal irgendwie entlohnt werd (abgesehen vom Zelt und dem Essen, das zuerst den Gästen zusteht, wenn es wieder mal ausgeht), schon mal ein kleines „Danke, gut gemacht!“ oder was auch immer angebracht. Aber nein, so was kommt dem net über die Lippen…. ja, und nun ist der Zeitpunkt erreicht, wo feststeht, dass ich nicht bis Ende Juli hier verweilen werde.

Mit Fabianne (aus der Schweiz) hab ich nun auch schon Pläne geschmiedet… wir wollen am 8. Juni abrauschen… sie muss dann um den 20. Juni in Panarama anfangen zu arbeiten, und bis dahin werden wir ein zwei Nächte vielleicht nach Vancouver schaun (da treff ich hoffentlich ja noch die Rike, bevor die leider am 11. Juni wieder nach Deutschland fliegt) und dann weiter nach Vancouver Island. Bissl herumfahren, Hauptstützpunkt in Victoria, wo ich eventuell auch noch jemanden von der Guide-School kenn, und wieder einmal Wohnung und Job suchen, für 7 Wochen, bis Mama und Papa dann auf Besuch kommen. Hab auch der Ranch noch nix gesagt, werd das aber bald machen… hab noch vieles vor… gestern hab ich am Abend erfahren, dass ich neue Gäste am Dienstag bekomme, wieder ein Pärchen, diesmal für 5 Tage und endgültig allein… fühl mich noch immer nicht ganz fit dafür, aber das werd ich schon irgendwie machen. Und ich hab mit Narissa lang darüber gesprochen, wie ich mich Kevan gegenüber verhalten soll. Das will ich hier noch für mich lernen, nicht den Kopf einzuziehen, sondern selbstbewusst aufzutreten. Ist seine Ranch, seine Regeln, alles klar, muss aber nicht heißen, dass das alles so perfekt ist und das kann man ja auch sagen… muss er auch nicht ändern, aber es ist Grund genug, dass ich gehe. Ohne Streit oder so, mal schaun, ob das so funktioniert, wie ich mir das erhoffe, wird sicher sehr schwierig werden, aber die Narissa ist da gut in solchen Dingen und ich versuch mal, mir ein bissi was abzuschaun, für spätere doofe Chefs ;-)

Komisch, man denkt vielleicht, wow, im Zelt schlafen, nirgendwo is es gscheit sauber, man ist weit weg von der Zivilisation oder was weiß ich noch… als das ist kaum ein Problem, man gewöhnt sich schnell und passt sich an. Schade, es könnt echt soo schön sein hier, wenn nicht jeder nur noch am Zahnfleisch nagen würde und kurz vorm Ausbrennen wär. Völlig unterbesetzt und chaotisch, das sind gar nicht meine Verhältnisse, in denen ich mich wohlfühlen und entwickeln kann, zumindest nicht auf eine positive Art und Weise. Ich glaub, der Kevan hat so viele persönliche Probleme noch, hab ich auch von anderen gehört, dass er früher net so aufbrausend war, aber auch am Samstag ist er wieder über den Guido drübergefahren, dass sogar die treue Alison kurz davor war, aus der Office zu gehen… ohne retourn! Gott sei Dank haben sie und Guido endlich mal ein paar Tage frei und konnten nach Vancouver fahren… ich gönn es den beiden von ganzem Herzen.

Fabianne hat noch gemeint, bevor wir was ganz fix entscheiden und buchen warten wir noch diese Woche und meine Gäste ab… sie glaubt nämlich, dass der Kevan mir eventuell Geld anbieten würd, um zu bleiben. Ich teil diese Meinung zwar nicht, und auch, wenn das die Situation verändern würd, bin ich schon sehr sicher, dass ich so oder so meine Sachen packen wird…. aber, wir müssen auch nichts überstürzen und sie ist nur fair zu mir… so wie die anderen Mädels auch. Ja, in schweren Zeiten wächst man schon zusammen… wird mir auch schwer fallen, ein paar hier zurückzulassen… mal schaun, was kommt!

Eines weiß ich aber… wenn ich mir das so durchles dann weiß ich, dass ich wieder positivere Einträge haben möchte, wovon auch immer J

Sonntag, 18. Mai 2008

Ambivalenz

Nach der Guide School hat mich das Ranch Leben nun wieder voll erwischt und… das ist nicht einfach. Noch schwieriger zu beschreiben… was hier abgeht, manchmal kann man nur den Kopf schütteln, manchmal möchte ich den auch gaanz tief zwischen meinen Schultern einziehen und ja, manchmal ist einem einfach nur zum Weinen zu mute.

Letzte Woche hat es viele dieser Tage gegeben, oder sagen wir besser einfach sehr viele Momente. Die ganzen Woofer/-innen hatten auch schlechte Laune… keiner hat ne Ahnung, was man so tun soll, keine gute Einweisung, kein Training, kein Shadowing… schups und schon ist man im kalten Wasser… schwimm oder geh unter, das scheint den Kevan wenig zu interessieren. (Scheinbar) willkürlich werden neue Regeln aufgestellt… von wegen man darf nur einmal die Woche reiten gehen, man darf sowieso nicht nach Goldbridge oder sonst mit irgendwelchen Menschen hier im Einzugsgebiet kommunizieren. Ärmellose Shirts sind verboten, sowieso der Konsum von Alkohol oder Zigaretten (das ist ja noch so halbwegs einzusehen)… egal, die Liste ist lang, man kommt sich vor wie ein kleines Kind dass sich einen Weg durch all diese Regeln bahnt, mal mehr, mal weniger abweicht.

Nach dem Ausritt vom Montag hat es ganz schön Ärger gegeben… vor allem die Tamara (auch eine Praktikantin, so wie ich) hat es ganz schön erwischt. Die hat sich mit dem Russ (Guide/Instructor) „zu gut“ verstanden… das heißt sie haben an ihren freien Tag die Zeit miteinander verbracht, sind nach Goldbridge gefahren usw… 5000 Regelverstöße. Resultat: der Russ ist am Mittwoch gegangen (nach Whistler) und die Tamara „durfte“ zwei Stunden lang Müll verbrennen und den immerwieder rausholen und neu rein und sich in der Zwischenzeit eine Predigt vom Big Boss anhören. Demütigend und eigentlich schon über der Grenze zum psychischen Missbrauch, das ist meine Meinung. Seither hat sie sich entschuldigen müssen, denn sie ist dafür verantwortlich, dass so miese Stimmung herrscht… wenn Kevan das nur mal so glauben will. Und vor der ganzen Staff Mannschaft musste sie sich entschuldigen und aufzählen, was sie denn alles „falsch“ gemacht hätte usw… ja, ich weiß, das ist total arg, nicht tolerierbar und überhaupt… aber so läuft es hier unter anderem.

Die Sara (eine Wooferin aus Deutschland, mit der ich mich auf Anhieb gut verstanden hab) wollte am Mittwoch nur mehr hier weg, und hat das dann auch gemacht. Mir wurde alles zu viel, der Druck zu groß… ständig arbeiten zu müssen, kein Feedback zu bekommen, immer sich anhören zu müssen, man müsste doch in sich selbst investieren (die machen es sich met dem Spruch ganz schön leicht)… meine Wäsche war schon gewaschen und halbwegs in der Reisetasche verstaut… Vancouver informiert und von dort gab es das ok, dass ich wieder ein bissl untschlupfen konnte, und auch der Transport weg von hier war schon organisiert. Narissa war völlig geschockt, aber verständnisvoll… ich wollte nur mehr hier weg!

Nach all den Vorbereitungen bin ich in die Office, um Bescheid zu geben. Ist normalerweise gar nicht meine Art, vor allem die alle hier so plötzlich hängen zu lassen… aber wenn man mal dieses Gefühl in sich trägt, dann sollte man besser darauf reagieren… Alison in der Office war ganz schön geschockt, Andre kam dann auch noch dazu und wir sprachen über Gründe usw… ich hab nur mehr geheult, alles ist nur noch so aus mir herausgesprudelt.. ganz schön scheiße, aber die beiden waren sehr nett, vor allem Alison die ich seither noch mehr respektiere und mag… nach ca. 1 ½ Stunden Gespräch war mal soweit alles gesagt und Andre hat mir nahe gelegt, doch noch ein bisschen zu bleiben, da ich diese Woche eine Chance bekomm, endlich einen Ranch Stay zu guiden – allein!!! Also bin ich spazieren gegangen, hab mir alles nochmal durch den Kopf gehen lassen und mich entschlossen, doch noch hier zu bleiben – open end, wenn es mir zu viel wird, bin ich weg, das hab ich mir selbst versprochen.

Mir ist es am Mittwoch auch besser gegangen, obwohl, der Wahnsinn hier hört nie auf und jeden Tag gibt es Dinge, über die man sich einfach nur ärgern kann. Aber schätze mal, das ist auch eine Lernerfahrung und solange der Druck in mir nicht zu groß wird, bin ich auch bereit, diese Herausforderung anzunehmen.

Fürs Wochenende war dann geplant, dass ich frei hatte und Sascha und Rike kommen… das hat dann leider alles nicht so geklappt. Bin mit dem Kevan wieder fast zusammengekracht, weil der mit seiner selbstgefälligen Art mir so unter die Nase gerieben hat, dass ich doch alles üben kann und das mit dem Trip mit den Gästen kein Problem sein kann, ich hab ja das ganze Wochenende um mir die Trails anzuschaun… nix mit ausschlafen oder sonst was… einmal bis 8 Uhr schlafen können, hey, das wär so was von fein… egal. Ich kann es hier so schwer beschreiben, aber ich find den Kevan einfach nur kontraproduktiv statt unterstützend… hab mir das ganze Wochenende den Arsch aufgerissen, um so halbwegs für den Trip vorbereitet zu sein… in meiner Freizeit, versteht sich… echt, dann haut der einem wieder Arbeit rein usw… meine Mama weiß, dass man mir alles bissl im Voraus sagen muss, dann kann ich mir das einteilen und einplanen und nix ist ein Problem, aber mir immer alles hinzuhaun, wo sich schon ganz andere Pläne hab, das ist net fair und einfach nur scheiße… aber egal, werd das auch noch hinkriegen mit dem Depp ;-)

Will gar net mehr alles schreiben, was so dumm gelaufen ist, denn es gab auch schöne Momente, die einem dann wieder vor Augen führen, warum man hier ist… und das ist es wohl, woran man sich festhalten muss!

Gestern war ich mit den Mädels am Nachmittag am Pearson Pond… ca. 1 Stunde von der Ranch zu Fuß entfernt.. und ja, man glaubt es kaum, nachdem ich mir die vorige Woche noch den Arsch abgefroren hab, war es gestern so warm, dass wir schwimmen waren… hat so gut getan, endlich mal ein bisschen weg von der Ranch. Haben dann auch noch zwei Fischer aus Vancouver getroffen, die hier campierten… das ist schon lustig, das haben weder die noch wir erwartet… verbotenerweise gabs dann noch für jeden ein Bier, unerlaubterseise sind wir in Shorts und Trägershirt herumgelaufen… ja, wenn die Regeln so straff sind, dann muss man sie manchmal auch brechen J Der eine hat uns dann noch ein Stück weit heimgefahren, natürlich nicht ganz bis zur Ranch, da hätt es ja Ärger gegeben, der hat echt geglaubt, wir verarschen ihn… na ja.

Bitte, die Landschaft ist ein Traum... man beachte die schneebedeckten Berge im Hintergrund!

Heute sollte mein Trip losgehen, hab gestern auch wieder die Riding Orientation mit den neuen Mädels geübt, quasi die Mädels als meine Gäste… geht gut und ich fühl mich schon ganz sicher.

Your Guide - Nicola:

Natürlich hab ich die Orientation auf "meiner" Tetla gemacht: sie ist da hübsch drauf, find ich... also auf sie schaun ;-)


Meine Probe-Gäste: Fabian aus der Scheiz auf Taylor...

...und unten Natalie aus Deutschland auf Montana.

Und jetzt bin ich seit halb 7 auf und wart… wir sind nämlich eingeschlossen von einer Schlammlawine… es sollten glaub ich drei Gäste, ein neuer Woofer und ca. 10 Guide-Students kommen, mal schaun, ob die Straße rechtzeitig frei ist… seit gestern in der Früh hat sich da nicht so viel getan. Ich gönn mir die Zeit und hab mich ins Zelt verzogen, sonst weiß der Kevan wieder nen neuen tollen Job und nachdem ich auch an meinen freien Tagen immer noch gearbeitet hab, interessiert mich das jetzt gerade wenig. Bereit mich noch ein wenig auf meine Gäste vor und üb… das sollte meiner Meinung nach reichen… wir werden sehen ;-)


So, meine Gäste und alle Guide-Students konnten erst am Abend anreisen, die Straße wurde dafür extra zwei Stunden lang geöffnet... der Plan musste also geändert werden, aber das funktioniert schon irgendwie. Ich hab zwei Damen, eine aus Deutschland und eine aus Kalifornien.. sehr nett und ich hab sie herumgeführt und so einiges erklärt... das muss man dann überzeugend machen und da wird einem wieder bewusst, wie viel Schönes es hier auch gibt. Wir werden sehen, wie es morgen läuft... auf alle Fälle gibts noch ein paar Bildchen, die schöne Momente festhalten:

Samstag beim BBQ... coole Stimmung am Abend:


Alison bei den Pferden vorm Barn:

Narissa übt fleißig mit dem Lasso:
...und noch Narissa vorm Zelt :-)

Montag, 12. Mai 2008

Höhen und Tiefen, Berge und Täler

Hab grad erfahren, dass ich morgen doch arbeiten muss... eh erst um 7 Uhr... yeah, das ist ihnen grad so eingefallen, weil, sind wir bissl lustig, gel! Bin grad bissl stinkig und muss das auch loswerden. Obwohl, der Tag, Mann, der hat echt seine Höhen und Tiefen gehabt.
Nach der Guide School hätt ich eigentlich vier Tage frei haben sollen... so war's mal eingetragen, aber schon am Sonntag "durfte" ich der Christina bei der Riding Introduction helfen... fünf Stunden. War ja eh ok, stört mich nicht, nur, ich krabbel grad aus dem Zelt, entschließ mich dazu, bei den Pferden etwas zu helfen und plötzlich heißt es, ja nach dem Mittagessen (also in ca. 1 Std.) hilfst bei der Introduction... ist ihnen grad wieder so eingefallen. Nur, als Arbeit wird das nicht gezählt, darf mich hier ja weiterentwickeln.
So, heute hat mich dann der Bernie zu sich geholt.. ob ich den Review schon ausgefüllt hätt... von wegen, was hab ich erreicht und so blabla... ziemlich dumme Fragen und mich interessiert es nicht, das ernsthaft auszufüllen, weil es hier ja auch keinen interessiert, wie es mir wirklich geht. Aber ja, setzten wir uns in die Office... ich merke an, es ist mein freier Tag. Und da ist es mir dann echt zu viel geworden... es wird einem jedes Wort im Mund umgedreht... dieses Chaos als Muss dargestellt und mir unterstellt, ich sei nicht flexibel. Bin ich vielleicht auch nicht... geb ich auch zu, aber so wie es hier abgeht, he, das ist nimma normal und das wollens klarerweise net wissen. Hab mich angegriffen gefühlt, echt, ist mir nimma gut gegangen... aber dann hab ich wieder mal einen dicken Ordner bekommen plus dem dazu gehörenden Test... ca. 20 Seiten lang... man braucht im Schnitt nur 12 Stunden dafür... also für nicht perfekt Englisch-Sprachige sicher doppelt solang. Aber, natürlich in meiner Freizeit auszufüllen. Und die drei Food-Safe Videos anschaun... mir wird in meiner Freizeit also nicht fad. Zweifel kommen auf.

Am Nachmittag ist dafür mein Adrenalin übergeschossen... mit Russ (dem Guide) haben ich, Tamara und Sara für heute einen Ausritt ausgemacht. Gegen alle Regeln und Procedures wollten wir mal bissl galoppieren und was ausprobieren. Drum haben wir die Anika und die Michaela nicht eingeladen, die sind nämlich Anfängerinnen und grad Anika ist erst gestern zum ersten Mal am Pferd gesessen. Mir hat das irgendwie Leid getan, weil, die wären ja auch gern mit... ich hab's versucht zu erklären, mich aber nicht gut dabei gefühlt, aber das hat der Russ entschieden, und es ist ja auch sein freier Tag... auf alle Fälle hat der Kevan dann die Pläne durchkreuzt... wenn ihr mich fragt, voll bewusst und hat uns quasi die beiden "aufgedrückt". Voll die Scheiß-Situation... weil, den Russ hat es angezipft, er wollte ja net "Baby-Sitten" und für die beiden voll unangenehm, weil, unter diesen Bedingungen wollten sie ja auch net mit. Das war echt a Käse.
Aber, dann haben wir sie eingepackt.. und da war das dann wie immer hier: friss oder stirb. Die arme Anika wird so schnell auf kein Pferd mehr steigen, ich glaub, der ihre Füße sind hin... wir sind fast nur getrabt oder galoppiert... wenn man zum zweiten Mal am Pferd sitzt, nicht angenehm.

So, aber abgesehen davon war das der genialste Ausritt meines Lebens! Also hab ich heut auch innerlich die Gipfel der Berge erklommen. Wir sind runter zum Carpenter Lake... der ewig lange Stausee. Den haben's ziemlich ausgelassen, weil, wenn dann das ganze Schmelzwasser runterkommt, füllt es den eh wieder auf. Also kann man da perfekt galoppieren... wir sind dann mal zu einer stillgelegten Goldmiene...

und haben den Schacht erkundet

... gruselig... voll finster, nass, gatschig, viele Abzweigungen, es geht echt ganz schön weit hinein... da ist mir schon bissl der Reis gegangen.. war wie in einem Film.
Ja, aber dann ist es richtig abgegangen... und jetzt kann ich auch die so oft gestellte Frage beantworten: "Do you have a favourite horse?" Ja, ich hab eins gefunden, die ist herausragend, soooo geil, der Hammer, muss grad überlegen, wie ich die im Flieger verfrachten kann :-)
"Tetla" ist ihr Name, sie ist ein Wildpferd und ein superkleines Pony. Ich hab sie heut nur deswegen gewält, weil sie so schwer einzufangen ist und da echt ein kleines Luder sein kann. Da steht man schon an ihrer Schulter und sie dreht sich blitzschnell und kickt nach einem... nicht nett! Aber ich wollt die halt wieder probieren, war letzte Woche mal kurz auf ihr drauf und da war sie ganz cool eigentlich, dass sie soo cool ist, wie sich heute gezeigt hat, konnte ich aber da noch nicht erahnen.
Einerseits hat sie echt Feuer unterm Arsch.... die hält mit den Großen mit, puh, da brauchst nix dazu tun, die läuft eifrig. Und dann kann sie glaub ich auch tölten... bin mir net ganz sicher, war aber kein Trab mehr. Ja, und dann kann sie auch schwimmen... yeah, das war net so ganz geplant, aber... hey, man muss ja flexibel sein. Wir sind also den Carpenter Lake entlang...
...und wollten dann den Strom durchqueren... und plötzlich ist es da ziemlich tief geworden... zu tief für meine kleine Tetla... und da ist sie geschwommen, eins a sag ich euch, mit mir am Rücken, puh, wenn das Wasser in das ich nun auch unweigerlich getaucht worden bin, net so arschkalt gewesen wäre.. kann's mir gar net ausmalen! Blöd war nur, dass auch mein Saddle-Bag völlig überflutet wurde... und da war meine Kamera drin... momentan schauts so aus, als ob sie hin wär, vielleicht wenn sie bis morgen trocknet, wer weiß, vielleicht überlegt sie es sich dann doch nochmals anders. Also, wir doch wieder umgedreht, war einfach zu tief, ich pitschpatschnass... und weiter gings... dann kam plötzlich eine voll sumpfige Stelle... die Michaela ist mit ihrem Pfer steckengeblieben, ich hinter ihr dann natürlich auch... Tetla bis über die Hüfte im Gatsch, und das nochdazu voll schräg... aber das Mädel ist taff, das sag ich euch... ich runter, sie rausgezogen, Michaela rausgeholfen... Tetla hat sich ein wenig abgeschüttelt und schon wieder fröhlich gegrast. Wahnsinn, ich hab mich noch nie, absolut nie so super auf einem Pferd gefühlt, auf die kann man echt setzen... ja, und nach dem kleinen Schreck ging es weiter... so geil, ein Grizzly ist aufgetaucht, und wir mit den Pferden voll auf ihn zu... er davon, durchs Wasser geschwommen und am anderen Ufer den Berg rauf... geil, mein erster Grizzly! Ich war nur mehr happy (ok, auch noch nass ;-) Für Anika ist es dan zuviel geworden und sie und Bernie haben umgedreht (Bernie musste noch was vorbereiten). Wir sind weiter in die "verbotene Stadt" - Goldbridge. Die Leute aus Goldbridge sind anscheinend mit Kevan zerstritten, drum darf man da offiziell gar nicht hin... der Russ aber schon, und was der Chef nicht weiß,... naja, wir sind dann wieder durch den Fluss... voll die Strömung, aber die Tetla, die packt das schon... klein, aber echt oho!!!
In Goldbridge haben wir uns dann mit einem Burger gestärkt ...
vorher noch schnell die Pferchen angebunden... die zweite von rechts ist meine kleine Maus.. leider gibts net bessere Fotos (meine Kamera hat ja keine mehr ausgespuckt)
und dann wieder den ganzen Weg zurück... meistens im vollen Galopp.... nur mehr geil...
...durch dieses Tal, die Berge mit dem Schnee im Hintergrund... plötzlich galoppieren ein paar wilde Pferde nebenher... ein Traum wird wahr! Und beim Rückritt dann noch die Begegnung mit einem Schwarzbär... he, besser geht's echt nimma!
Um 21 Uhr waren wir dann wieder da (nachdem wir um 13:30 Uhr gestartet waren)... und wumms, die Ranch Realität hat uns wieder: da steuert schon Vera aus der Office auf mich zu... yeah, und jetzt muss ich morgen um 7 Uhr arbeiten... wär ja kein Problem, wenn ich den Sinn oder die Notwendigkeit dahinter sehen würd, aber... na, so was gibts hier ja wohl net. Bin auch allein draußen... weiß zwar net, was ich machen werd.. aber darüber zerbrech ich mir jetzt sicher nicht den Kopf.

Samstag, 10. Mai 2008

Guide School II - Camp time

Bin heut nach einer vollen Woche wieder zurück aus dem Busch… wow, das war ne Woche, ich sag’s euch! Vielleicht sollt ich mal alles noch ein bissl absitzen lassen, aber da ich ja jetzt frei hab, werd ich mal ein bissl was tippeln, und schaun, was bei meinen vielen Gedanken so raus kommt.

Mit meinen 9 Guide Student Kollegen und anfangs noch 5 Guides bin ich am Sonntag in der Früh mit insgesamt 25 Pferden losgestartet zum Leckie Camp. Das ist ungefähr 3-4 Stunden Ritt den Gun Creek flussaufwärts von der Ranch entfernt.

Das Packen an sich hat es schon in sich… für 15 Leute Essen, Schlafsäcke, bissl Gewand, Futter für die Pferde und so die notwendigste Ausrüstung (Motorsäge usw.)… alles auf insgesamt 10 Pferde gepackt… das ist eine Wuchterei, ich sag’s euch… 25-30 kg Säcke und Tonnen auf so ein Packpferd mit Stockmaß 160-170 zu packeln und alles ja gut zu verschnüren, damit auch nix runterfällt… da hab ich noch geschwitzt. Pearson, mein Packhorse, war eigentlich ganz lieb, nur hat der sich die ganze Strecke bissl zahn lassen… mein Rüßcken hat weh getan, kein Scheiß, das ist echt anstrengend. Außerdem ist dort oben noch so einiges eingeschneit, also mussten wir uns zwischendurch auch den Weg durch ca. ½ Meter tiefen Schnee bahnen… ist für Tier und Mensch anstrengend. Haben’s dann aber doch gut zum Camp geschafft… dort stehen ähnliche Zelte wie auch auf der Ranch, leider aber ohne Betten, sondern nur mit ultradünnen Schaumstoffen… dass das hart war, kein Wunder! War auch nicht das Problem, nur da durch ist die Kälte gekrochen wie nix.. und es hat einfach jede Scheißnacht gefroren! Bäh, ich kann keine Kälte mehr haben… wenn man net schlafen kann, weil man soo friert, das ist nicht angenehm und wenn man sich irgendwie nirgendwo ins Warme verdrücken kann… und auch keine Aussicht darauf hat… wäh, das mag ich gar nicht, das hat mich soo sehr herausgefordert. Auch wenn man es bis zu einem gewissen Grad gewohnt wird, lustig wird’s dadurch noch lange nicht!

Zurück zum Camp… es gibt dann noch so ne kleine Cabin, da drin steht ein Gashert wo wir unsere mitgebrachte Gasflasche angeschlossen haben… es gibt auch geschirrt, hihi, in einer Tonne in den Bäumen, damit dir Bärlis net kommen, ja, und einen langen Tisch mit Bänken und einer Plane überdacht… und dann haben wir ne Feuerstele gemacht (als es wieder mal geschneit hat, haben wir auch die mit deiner Plane überdacht).. ja, und das war’s dann auch schon. Ca. 500 m entfernt, den kleinen Hügel vom Camp runter ist dann der Creek, wo wir unser Wasser für Kochen, Trinken, Waschen, was auch immer, hergeschleppt haben. Die Pferde waren in einer kleinen Weide. Normalerweise werden die frei gelassen, weil, solang die was zum Fressen haben, machen sie sich auch nicht auf den Weg, aber da es noch voll Schnee war usw. mussten wir sie füttern, also haben wir sie mit Heu und Weize versorgt, drei mal täglich zum Fluss zum tränken geführt und geschaut, dass es ihnen ja gut geht.

Die Tage waren eigentlich alle gleich. Tagwache um halb Sieben, eine Gruppe macht Frühstück, die andere versorgt die Pferde und sattelt auf. Nach dem Frühstück sind wir immer losgeritten, ca. drei Stunden, dann haben wir irgendwo Pause gemacht, unsere mitgebrachten Sandwiches gegessen, meistens auch ein Feuer gemacht (weil, nicht vergessen, saukault!) und dann wieder ca. 3 Stunden zurück.

Wahnsinn, durch welches Gebiet wir da reiten und was die Pferde alles mitmachen. Teilweise sind es superschmale Wege, auf einer Seite geht es steil hinunter, der Untergrund entweder tiefer Schnee oder matschig oder Schotter… also rutschgefahr, aber den Pferden macht das gar nix aus. Oft muss man auch bissl herumreiten, weil riesige Bäume den Weg (wenn man das so überhaupt nennen darf) versperren, der Lead-Guide arbeitet sich mit dem Buschmesser durch, trotzdem muss man sich durch dichte Äste usw und über umgefallene Bäume durcharbeiten. Wir haben auch die voll seltenen Bergziegen gesehen (total weiß und unglaublich, auf welchen Felsen die leben). Das ist kein gemütlich zurückgelehntes Reiten, das ist schwere Arbeit, obwohl, eigentlich machen die Pferde das meiste. Zu meiner Verwunderung hat mir mein Hintern die ganze Zeit nie weh getan (im Gegensatz zu manch anderen). Dafür hab ich einen super tollen neuen blauen Fleck direkt am linken Knie… die Meg, so ein Schlingel, sie ist nicht grad mein favourite horse, aber egal, hat mich da bissl in einen Baum gepushed, im Trab, voll mit Kniescheibe auf Baum, nicht lustig! Solang ich mich net hinknie, geht’s aber schon wieder. Zwischendurch mussten auch die ganzen Student’s mal leaden. Cool find ich, dass man immer die Pferde durchgewechselt hat, also kenn ich jetzt schon viele und die sind alle echt soo lieb. So was von zuverlässig, das kann man sich gar nicht vorstellen. Klar, manche sind ein bissl sturer, machen ihr Ding und wollen sich da net so viel dreinreden lassen. Manche sind ein bissl faul, da muss man halt mehr drauf arbeiten, aber das ist völlig normal. Aber keines, das jemals völlig verweigert hätte. Keines, das blöd durch die Gegend gebuckelt hätte… die wissen genau, jetzt ist Arbeitszeit, jetzt is a Ruh, und dann haben’s wieder ihren Frieden. Genial!

Am späteren Nachmittag waren wir dann wieder im Camp, dann nochmals das gleiche, eine Gruppe, Pferde versorgen, die andere Kochen. Und da hat sich so richtig ein Kontest entwickelt, die Männer haben aufgekocht, da wackeln einem nur die Ohren! Meistens haben wir auch gleich überm Feuer gekocht… hab in meinem Leben noch nie, absolut nie sooo viel Fleisch und Eier gegessen wie in der letzten Woche… aber das ist wohl so in Canada, überhaupt, wenn Männer den Kochlöffel schwingen. Puh, zum Frühstück schon Bacon, Eggs, Sausage und Pancakes… das taugt mir auf Dauer aber net! Dafür hab ich mittlerweile schon Moose (Elch) und Cougar (Puma) und Deer (Wild) gegessen… schmeckt bissl wie Schein, aber ganz gut eigentlich.

Am Abend wird es dann um’s Feuer enger, wie gesagt, hat ja immer gefroren und das Schlafen gehen war kein Spaß. Hab es zwei Mal geschafft, mich so halbwegs von oben bis unten im Fluss zu waschen… schon geil, wenn da noch die Eisschollen vorbeitreiben. Das mit dem Haare waschen hab ich aber gelassen, das war einfach zu kalt. Ab Mitte der Woche hab ich dann einfach immer meine Haube oder meinen Hut oder auch beides aufgehabt. Beim Schlafen war die Haube sowieso ein muss, genauso wie die Handschuhe, der Schal, Stutzen, Strupfhose, extra Socken, vier Langarmschichten und zwei Schlafsäcke… und trotzdem, mir war kalt. Nach der zweiten Nacht hab ich mit April die Schlafsäcke geteilt… es hilft ja nur noch Körperwärme, und nach Mitte der Woche konnte ich dann auch so halbwegs schlafen. Das ist dann schon viel besser. Obwohl, manchmal hat irgendwas an unserem Zelt genagt oder gezogen oder was weiß ich, auf alle Fälle – scary! Auch net so nett.

Hab meine Grenzen kennengelernt, und die größte Herausforderung war die Kälte. Ich vermiss echt Wärme hier, und zwischendurch wollt ich nur noch heim nach Anger in mein Bett. Aber ich hab’s geschafft, bin wieder gut zurück… war doch ganz gut die Erfahrung und mal schaun, wie es jetzt weitergeht. Hab Gott sei Dank ein paar Tage frei, was dann passiert, steht in den Sternen.

Während wir weg waren hat sich auch voll viel auf der Ranch getan. Nariassa ist ja noch bis Montag für eine Woche in Vancouver und auf Vancouver Island – mit ihrem britischen Freund Ben. Schad, dass sie nicht da ist, ist sie doch meine einzig wirklich Vertraute hier. Naja, und Jen, mit der ich auch schon Spaß gehabt hab und auf die ich mich eigentlich auch gefreut hab, ist weg! Sie hat mir eine kleine Nachricht hinterlassen, dass es ihr Leid tut, dass sie sich nicht mehr verabschieden konnte und mit ihrer Email Adresse. Auch der Glen, der die Küche geschmissen hat, ist weg. Das hat mir die Alison erzählt… der wurde gekündigt, weil irgendwie gar nix mehr funktioniert hat. Voll arg, hey! Dafür gibt es deutsche Verstärkung… vier oder sogar fünf neue Woover… auch die Liz, die schon mal da war, ist wieder da… soo viele neue Gesichter, dafür fehlen ein paar „alte“… das ist echt gewöhnungsbedürftig. Bin schon gespannt, wie es weiter geht.. es ist alles so offen…



Wieder ein paar Impressionen zum Schluss:

Das Camp:

Ums Feuer haben wir uns immer zusammengefunden

Nice Spots:
Waterfall
Pond:
Tail tying wie es im Buche steht... Russ, der Chef ist am Dienstag mit 5 der Pack Horses nach Hause... zuerst tail tied, danach einfach nach Hause gejagt - die kennen den Weg!
Ja, und ich lüge nicht, schaut's amal den Schnee an!
Manchmal muss/soll man auch bissl absteigen und führen...
...aber bitte, auch durch die steilsten Steinwände (wie in einer Schottergrube) können diese Pferde marschieren
Das war aber wirklich schon ein bissl scary!
Danach gab's im steilen Hang ne kleine Lunch-Break... bevor der gleiche Weg wieder zurück bestritten werden musste!

Samstag, 3. Mai 2008

Guide School - Week I

Schnell noch einen kleinen Zwischenbericht, bevor ich morgen in der Früh mit meinen Kolleg/innen in den Busch verschwinde.
Eine Woche Guide-School liegt nun hinter mir... viel gesehen, ausprobiert, gelernt... weiß gar nicht so recht, wo ich da anfangen soll.

Die Gruppe Students ist voll durchgemixt... außer mir gibt es noch zwei Mädels, die 18 bzw. 19 sind, und die Vera, die ja schon seit Herbst hier auf der Ranch ist, seither jedoch nur in der Office.
Ansonsten sind nur Jungs da... von Andrew (19) bis Trueman (sicher schon an die 60) ist alles dabei... vom Air Force-Typen bis zum Tischler - kurzum, ein kunterbunter Haufen.
Weiß nicht, ob es diese bunte Mischung ist, oder einfach die ganze Situation hier... es hat mich auf alle Fälle bissl a Zeit gekostet, bis ich mich da irgendwo einfügen konnte.
Russ, unser Instructor ist eigentlich voll ok, puh, so als Wilderness-Guide muss man echt ganz schön was drauf haben.

Und so starten wir schon um 6:30 Uhr damit, die Pferde einzufangen und in eine kleine Koppel zu treiben, um dann auf der großen Weide das Heu auszurollen. Voll geil, wenn da 56 Rösser im vollen Galopp über die Wiese jagen, muss da noch mal ein Foto machen.

Naja, ansonsten waren wir beschäftig mit Reiten - mit und ohne Sattel, Pferde aufpacken (und das mit 100 Wiederholungen), Hufe trimmen und neu beschlagen, Zähne schleifen, Entwurmen, ein Wettrennen mit den Pferden um Tonnen herum, Logging (Baumstämme aus dem Wald mit den Pferden herunterholen) also quasi Zugpferde, die wir dann auch vor so ne Art Schlitten gespannt haben... ui, die sind abgegangen wie Sau (entschuldigt meine Wortwahl) ... ja, und heute sogar Schießen.
Muss sagen, vorm Letzteren geht mir doch ganz schön der Reis... hab ja noch nie eine Waffe, schon gar kein Gewehr in der Hand gehabt.... aber man muss halt in der Wildniss auch auf Angriffe von Bären, Cougars usw. vorbereitet sein, drum muss zumindest der Lead-Guide bewaffnet sein und als Assistant sollte man zumindest eine Ahnung haben. War dann auch ganz erfolgreich beim Ziel-Schießen... 5 Versuche, 5 Treffer... der William (von der Air Force) hat mir auch ein paar hilfreiche Tipps gegeben, der ist das Trainieren auch gewohnt und dementsprechend ruhig - sehr angenehm.

Ansonsten hat mich diese Woche sicher auch an meine Grenzen gebracht... manchmal ärgere ich mich, dass ich nich stärker, schneller oder was weiß ich bin... jaja, beim Packing Test oder Shoeing (Beschlagen) Test hab ich keine Probleme, aber mir fehlen einfach die Muckies, wenn es darum geht, einen extrem überlangen Huf zurückzuzwicken... Resultat: meine Oberschenkel sind übersäht mit blauen Flecken... weil, man legt ja den Huf quasi in den Schoß, und ich muss schon sagen, die Meg (mein Pferdl) hat es geliebt, da bissl mit ihren Hufen in meine Schenkel zu drücken und ihr Gewicht darauf zu verlagern... die ist ganz schön eine, sag ich euch... aber die Pferde hier sind einfach nur genial! Das kann man sich gar nicht vorstellen, wie ruhig und ausgeglichen die sind. Ist schon ganz was anderes, wenn man jetzt mehr oder weniger einen Dressur-Stall gewohnt ist.
Stall, was ist das?! So was kennen die Pferde gar nicht... die leben draußen, immer! Im Winter gibt es Heu, im Sommer können sie eh Gras fressen... wenn man sie einfängt, gibt es zur Belohnung ein Bissl Weizen, und dann wieder, bevor man sie zurück bringt.... und beim Packen... wow, da kann man mit Planen neben dem Kopf herumwacheln, die machen fast keinen Rührer.
Und auch auf den Trails sind die soo zuverlässig. Wir waren jetzt bis auf heute jeden Tag mind. 2 Stunden reiten... meistens mit einem Packpferd noch in der Hand... steil rauf, quer durch die Pampa, ohne viel Weg... die steigen überall drüber, sind trittsicher und wissen genau, was zu tun ist. Man kann sogar zwei Pferde aneinander binden (tail-tying)... ich lern echt verdammt viel hier. Und ich liebe es einfach, um die Pferde herum zu sein... von den kleinen Ponys bis zum riesigen "Giant"... die strahlen so viel Ruhe und Zufriedenheit aus - einfach nur schön!

Die Nächte waren nun leider wieder sehr kalt, es hat immer gefroren und mittlerweile schlaf ich völlig eingemummelt in drei Schlafsäcken... so geht es halbwegs, aber ab morgen wird das schwierig... es geht bis Samstag ab ins Camp, und da kann man nur minimal einpacken.... also nur 1 Schlafsack... puh, ich hoff, es wird nur nicht zu kalt!
Heut haben wir schon das ganze Essen eingepackt... Obst, Gemüse, gefrorenes Fleisch, und Eier!
Ich sag euch, die Canadier stehen den Amis sicher um nix nach, wenn es um den Verzehr von Eiern geht. Und so haben wir, für 14 Personen und 6x Frühstück gesamt 210 (!) Eier eingepackt... ist doch der Hammer!!! Ich wär fast umgefallen... puh, da geht Mama's Faustregel von wegen 2 Eier pro Woche... also eines als Frühstücksei und das zweite ist eh in Kuchen und anderen Mahlzeiten enthalten... nicht auf! Bissl spinnen tun's schon, meiner Meinung nach, aber sie wollen das noch net so recht einsehen ;-)
Ansonsten, ja, es geht bergauf. Ich hader ein bissl mit meinem Können, meine Geduld mit mir selbst wird hier wohl am meisten trainiert, aber es wird besser.
Das Team ist immer noch sehr uneinheitlich, der Kevan noch immer nicht der sympathischte Typ, aber schön langsam find ich Anküpfungspunkte.

All das hier ist für mich eine riesige Herausforderung, aber ich möcht sie so nehmen, wie sie ist und hoff einfach mal, dass ich daraus viel innere Stärke entwickeln kann..

So, nun mal zum Schluss ein paar Impressionen:

Der kleine "Eldorado" neben dem riesigen "Giant"

Huf- und...
...Zahnpflege.

Yeah - voller Galopp, und das ohne Sattel :-)

Trockentraining... bevor es ernst wird, beim...

"Wood-Logging"



Galoppieren geht auch mit 2 Pferdis - vor das "Stoneship" gespannt quer über die Wiese
That's fun!

Alles fertig gepackt!

Dann geht's ab mit der ganzen Truppe!